Christian Springer, ein Kabarettist auf unserer Kanzel

 

Ein Kabarettist als Kanzelredner im Gottesdienst? Geht das? Und das auch noch unter „Coronaregeln“? Ja, Christian Springer, der nicht nur Kabarett macht, sondern sich schon seit Jahren mit seinen „Orienthelfern“ für syrische Flüchtlinge im Libanon einsetzt, erfüllte diese scheinbar konträren Erwartungen der vielen Interessierten, die zweimal die Kirche füllten.

 

Pfarrer Röhm übernahm den liturgischen Teil des Gottesdienstes und nannte Springer einen Prediger, denn ein Bericht von praktizierter Nächstenliebe, das ist Verkündigung.

 

Christian Springer zeigte deutlich seine persönliche Betroffenheit und erzählte viel von seinem biografischen Hintergrund. „Wenn jemand hingefallen ist, dann heb ihn auf. Diesen Grundsatz gab mir meine Mutter ziemlich früh mit auf den Weg. Er galt für alle Menschen, auch für den versoffenen Nachbarn. Das habe ich mir gemerkt. Und darum werde ich nicht aufhören, mich für diese geflüchteten Menschen einzusetzen.“

 

Springer ging natürlich nicht nur emotional an das Thema „Flüchtlinge“ heran, er belegte seine Empörung mit Zahlen und vielen persönlichen Erlebnissen. Normalerweise ist er zweimal im Monat im Libanon und betreut dort seine Projekte in den Flüchtlingslagern. Von diesen persönlichen Begegnungen schöpft er viel Kraft und Motivation. „Ich bin dort niemals angebettelt worden. Aber die Leute bitten mich: Erzähl in Deutschland von uns.“ Das tat er ausführlich und in eindrucksvoller Weise.

 

Die Parallele zu  den 30 Jahren Flüchtlingsbetreuung des Arbeitskreises Asyl in Kaufbeuren musste nicht extra formuliert werden. Hier sprach jemand, der die Höhen und Tiefen der Arbeit mit Flüchtlingen zur Genüge selbst hautnah erfahren hat, und gerade deshalb damit nicht aufhören will.

 

Dazwischen gab es Nachdenkliches auf der Orgel.  Traugott Mayr machte Gefühle von Ruhe, Angst, Fremdheit und Schmerz hörbar mit Werken von Alain und Choveaux.

 


Ein Beitrag mit Günter Kamleiter und Nora Zadoori zu "30 Jahre AK Asyl" als Podcast bei der Allgäuer Zeitung unter https://www.all-in.de/kaufbeuren/c-lokales/arbeitskreis-asyl-in-kaufbeuren-seit-30-jahren-unterstuetzung-fuer-fluechtlinge_a5098934


Zwei Berichte über den AK Asyl findet sich in der Mediathek von Allgäu TV:

 

Zur Arbeit mit Flüchtlingen in "Coronazeiten"

 

https://www.allgäu.tv/mediathek/video/aus-dem-ostallgaeu-und-kaufbeuren-4-juni-2020/

 

und auf Youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=NnV6xviGZuY

 

Zur Ausstellung "Verfolgte genießen Asyl..."

 

und unter https://www.allgäu.tv/mediathek/video/aus-dem-ostallgaeu-und-kaufbeuren-30-juli-2020/


Anläßlich des 30 jährigen Bestehens des Arbeitskreis Asyl organisierte Günter Kamleiter zusammen mit Ursula Gollmitzer, Monika Hahn, Elisabeth Herzog, Elisabeth May- Khalifa, Hildegard Mayr-Nerl, Hans Schneider, Karin Stednitz und Wiltrud Fleischmann in der Evangelischen Dreifaltigkeitskirche die Ausstellung "Verfolgte genießen Asyl"


Malwettbewerb des AK Asyl:

 

Zum 30 Geburtstag rief der AK Asyl alle Flüchtlinge auf, uns ein Bild zu malen, was sie in Deutschland schön finden. Heraus kam eine völlig bunte Palette an Bildern, die zum Teil auch direkte Bezüge und Verweise auf die durch COVID 19 bestehenden Verhältnisse aufweisen.

Hier eine kleine Auswahl:

Am letzten Donnerstag vor den Ferien waren dann alle teilnehmenden Kinder eingeladen, mit nach Augsburg in den Zoo zu fahren:


Ausflug der Frauen vom "Internationalen Frauentreff" ins Bauernhofmuseum Illerbeuren


Ein Wochenende für die ehrenamtlich Engagierten des AK Asyl KF in Krumbad

 

Manche der ehrenamtliche Engagierten des AK Asyl sind schon seit 28 Jahren dabei, andere erst seit ein paar Monaten – sie konnten sich gleichermaßen austauschen und fortbilden bei einem Schulungswochenende „Qualifizierung der Ehrenamtlichen des AK Asyl Kaufbeuren im Bereich Umgang mit traumatisierten Menschen, Konfliktmanagement und Umgang mit Diskriminierung im Alltag“, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert wurde.

 

Das „Tagungshotel Krumbad“ bot vom 26. – 28.10.18 wieder einen idealen Rahmen für die Fortbildung, da die Teilnehmer in ihrer Freizeit die herrliche Lage, das feine Essen und das Wellnessangebot genießen konnten. Ein wunderschönes Dankeschön an die engagierten Helfer des AK Asyl, das OB Bosse beim Antrag mit einem Empfehlungsschreiben unterstützt hatte.

 

Die Schulung begann am Freitag Nachmittag mit Frau Dr. Andrea Mucha, einer Traumatherapeutin aus Aichach, die mit einfachen Worten auf Deutsch erklären konnte, wie Traumata entstehen. Erschreckend war ihr Satz „Traumatische Situationen können von schwer traumatisierten Personen weitervererbt werden“. Das würde bedeuten, dass bei den Migranten auch Jahre nach Flucht und Migration noch massive psychische Probleme auftauchen können, die umso schlimmer sein werden, wenn man nicht jetzt therapeutisch etwas dagegen unternimmt. Da dies aber nur spezialisierte Psychologen können, wird es wohl noch Jahre dauern.

 

Der Samstag war ganz dem Thema „Interkulturelle Kompetenz“ gewidmet. Erst, wenn man versteht, wie andere Kulturen fühlen, denken, hören und reagieren, kann man eine gemeinsame Zukunft gestalten. Frau Dr. Judith Abdel-Massih-Thiemann war froh, unter den Teilnehmern nicht nur eine Südsudanesin und eine Syrerin aus dem AK Asyl zu haben, sondern auch ehemalige Flüchtlinge aus dem Osten. Sehr eindrucksvoll konnte die Referentin zunächst mit Übungen und dann mit dem Modell der Kulturdimensionen (nach Richard Lewis) darlegen, dass es schon zwischen Ost- und Westdeutschen Unterschiede im Temperament gibt. Wie schwer es für nach Deutschland gekommenen Migranten mit ganz anderem kulturellen Hintergrund ist, sich in die hiesige Kultur einzufügen, verdeutlichte Thiemann mit dem Satz „Kultur ist ein Navigationssystem zur Verhaltenssteuerung im gewohnten soziokulturellen Umfeld mit dem Vorteil, dass wir es nicht extra anschalten müssen.“

 

Zum Abschluss der Tagung gab es noch drei Workshops: „Umgang mit Überforderung“, „Maßnahmen, um Diskriminierung im Alltag entgegen zu treten“ und „Konsequenzen – wie arbeiten wir weiter?“

 

„Hoffentlich bekommen wir wieder mal so ein interessantes Wochenende finanziert, bei dem wir auch genug Zeit haben, über unsere Arbeit mit Geflüchteten, unsere Erfolge, aber auch unseren Frust auszutauschen“, war das einstimmige Abschlusswort.

 

Nikolaus bei den Flüchtlingskindern 2017
In diesem Jahr wurde die 25. Nikolausfeier des Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren begangen. Der Besuch des Nikolaus ist längst zu einem Höhepunkt des Jahres für die Kinder aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Eritrea und vielen anderen Herkunftsländern geworden. Unter den Gästen waren auch viele ehemalige Flüchtlinge zu finden.

So konnte das Haus St. Martin die vielen Besucher kaum fassen als Bischof Nikolaus, mit einem Leiterwagen voller kleiner Päckchen bepackt, die Tür betrat. Eltern und Kinder hatten sich für diesen Tag festlich gekleidet und die Kinder Gedichte, Lieder und Bilder für den Nikolaus vorbereitet. Viele brachten den Mut auf, vor dem großen Publikum dem Nikolaus ein Gedicht oder ein Lied vorzutragen. Zum Ende der Feier wollten viele Eltern ihre strahlenden Kinder mit dem Nikolaus auf einem Foto festhalten. Die Helfer des Arbeitskreises sind überzeugt, dass einige Flüchtlinge Zurückgebliebenen in der Heimat von Deutschland und seiner Kultur erzählen, von freundlichen Begegnungen und einer Offenheit, die nicht vereinnahmen will.
Quelle: http://www.wir-sind-kaufbeuren.de/nachrichten/meldung/nikolaus-bei-den-fluechtlingskindern.html